Bericht Oktober 2014

Reisereport 2

von Beate Jaehrling aus Simbabwe_09. bis 15. September 2014
Besuch des  Ekuthuleni Carpentry Pojectes Bulawayo/Gumtree

Liebe Freunde und Foerderer von Ekuthuleni Projekte e.V.,

meine zweite Woche beginnt mit einer Fahrt im ET=Emergency Taxi/Notfalltaxi, das sind private Kleinbusse fuer 12 Personen, die regelmaessig mit 20 Personen ueberladen werden. Dazu werden noch Materialien eingeladen, die ohne Aufpreis mitfahren duerfen, sofern sie auf den Knien des Fahrgastes Platz haben. Eine Fahrt zu unserer 20 km entfernten Ausbildungswerkstatt in Gumtree kostet 1 USD. Das Taxi startet uebrigens erst, wenn es voll besetzt ist, das kann schonmal 1 Std. Wartezeit bedeuten. An den Ausfallstrassen von Bulawayo stehen ganztags Polizeiposten. Unser Fahrer kann leider kein Sicherheitstraining nachweisen und muss 20 USD Strafe zahlen. Somit sind seine Einkuenfte fuer diese Fahrt verloren. Die Fahrzeuge entsprechen uebrigens bei weitem nicht unseren Sicherheitsvorkehrungen und wuerden in Deuschland ausnahmslos als fahrtuntauglich deklariert werden.

In Gumtree angekommen, erreichen Helga und ich nach 10 Min. Fussweg das Ekuthulenigelaende, auf dem sich neben Ausbildungswerkstatt, Wohn- und Lernraeumen noch drei weitere Einrichtungen befinden, die Produktionswerkstatt fuer ehemalige Eku Auszubildende, der Kindergarten und ein Kirchenraum. Der zustaendige Pastor Lyton Moyo wohnt mit seiner Familie in einem Anbau der Ausbildungswerkstatt. Die 8 Students werden von Mishack Mugiyo ausgebildet, der fruehere Auszubildende John Chademana ist fuer die persoenliche Betreuung wochentags und abends zustaendig. An Wochenenden ist Pastor Moyo Ansprechperson.

Nach gegenseitiger Vorstellung arbeitet Helga mit einigen Azubis eine Reparaturliste vom Juni d.J. ab, allerdings fehlt einiges Zubehoer, da Ekuthuleni aufgrund des blockierten Kontos seit einigen Wochen kein Geld zur Verfuegung hat.Am naechsten Tag habe ich es bequem, Mishack holt mich mit dem Auto seiner Schwester nach Gumtree ab, da Helga heute ihre privaten Schreinerlehrlinge Tanja und Vivian erwartet. Wir nutzen das Auto zum Transport von Lebensmitteln und Kleinwerkzeugen, die wir ansonsten im Rucksack schleppen muessten. Bei unserer Ankunft sind die Loecher fuer den Gartenzaun bereits ausgehoben. Dies haben die Azubis schon am fruehen Morgen erledigt.

Mein Auftrag fuer diesen Tag lautet gemeinsam mit Student Thato Naehmaschinen saeubern, reparieren und das Metallgeruest an der Aussenkochstelle ergaenzen, damit anstatt der Wellblechvorrichtung ein Windschutz aus Holz angebracht werden kann. Beide Auftraege sind nur bedingt ausfuehrbar, da entweder wichtige Teile fehlen oder erstmal Werkzeuge  und Zubehoer in Ordnung gebracht werden muessen. So ist z.B. die Zusammenstueckelung des Verlaengerungskabels eine waghalsige Angelegenheit, die meinen Kenntnissen und Vorstellungen von Arbeitssicherheit extrem widerspricht.
 

Donnerstag ist Riverside School Tag. Ausbilder Mishack unterrichtet gemeinsam mit einem Auszubildenden drei Gruppen pratkitsch bildbarer Schuelerinnen und Schueler entsp rechend ihrer Faehigkeiten. Es werden z.B. Eierstaender, Tabletts und Ruehrbesen fuer Sadza, den landesueblichen Maisbrei angefertigt. In der Schule gibt es drei Produktionsbereiche, den Gemuesgarten, Huehnerhaltung und die Fertigung von Erdnussbutter. In allen drei Fachgebieten zeigen sich die Schueler sehr selbststaendig und engagiert. Nach erfolgreicher Ernte bzw. Herstellung werden die Produkte zur Unterstuetzung der eigenen Schule verkauft.

Am Nachmittag sind wir mit Pastor Lucky Moyo und einigen Trustmitgliedern verabredet, um deren Zustimmung zum Bankenwechsel einzuholen. Aufgrund monatelanger Auszahlungsprobleme mit unserer Kingdom Bank und den Kenntnissen ueber die wirtschaftliche Situation einheimischer Banken wird der Wechsel zur Stanbic Bank, einem Institut mit internationalen Verbindungen beschlossen. Pastor Moyo verspricht uns Unterstuetzung
in der Erledigung der Formalitaeten. Zur Kontoeroeffnung muessen fuer acht Trustmitglieder je 2 Passbilder, Kopien der ID Karte und ein Wohnungsnachweis vorgelegt werden, z.B. in Form einer Kopie der Stromrechnung, denn es gibt hier kein Einwohnermeldeamt, das den Aufenthaltsort eines Einwohners bestaetigen koennt. Heute Abend kochen meine Gastgeberinnen Di und Helga unser Abendesssen mit Stirnlampen am Gasherd, da wie etwa jeden zweiten Tag ueblich, der Strom ausgefallen ist. Oftmals haben wir tagsueber zwischen 10 und 17 Uhr keinen Strom.
So koennen zumindest die Haushalte ihr Fruehstueck und Abendbrot zubereiten. Gluecklicherweise hat der mangelnde Strom keine Auswirkungen auf die Schmackhaftigkeit der Mahlzeiten. Ich kann Helgas Kueche wirklich bestens empfehlen. Es schmeckt jeden Tag wunderbar!!!

Am naechsten Tag arbeitet Helga an der Buchhaltung. So bekomme ich einen Einblick in ihre administrative Arbeit. Das gestaltet sich vorerst schwierig wegen erneuten Stromausfalls. Doch gluecklicherweise verfuegt die Familie ueber ein Diesel-Stromaggregat und einen speziellen Converter fuer das Internet. So koennen wir das Budget bearbeiten und an unsere Finanzverantwortliche Petra Speidel nach Deutschland uebermitteln. Samstag ist der T-Shirt-Einkauf auf dem Fleemarket/Flohmarkt geplant. Auf einer oeffentlichen Strasse werden haufenweise gebrauchte Kleidungsstuecke angeboten, die offensichtlich aus Kleidersammlungen stammen. Wir erwerben fuer jeden Azubi ein farblich passendes T-Shirt zu je 2 USD, das von den Jugendlichen mit  dem Eku-Logo beschriftet werden soll.

Sonntag besuchen wir nach dem Gottesdienst in der angrenzenden Whitestone School eine Quilt-Ausstellung der Quilt-Gilde Bulawayo. Hier gibt es interessante, unstvoll professionelle Traditional und Innovation Art Quilts zu sehen. Am Nachmittag Naturkunde-Museumsbesuch mit Di, deren Tochter Margie Rees und Kindern. Am Abend gemeinsames Grillen bei der jungen Familie. Ich komme in den Genuss, ein kuehlendes Bad im Swimmingpool nehmen zu duerfen. Ein weiteres Highlight an diesem Tag ist, dass Helga in der Folgewoche den Pickup von Margies Ehemann fuer unsere anstehenden Transporte nutzen darf. Chris ist dienstlich in Suedafrika und benoetigt aus diesem Grunde sein Fahrzeug nicht. So helfen Helgas Beziehungen immer wieder, einen Schritt voran zu kommen. Nach dem Montagssmeeting mit Mishack fahren Helga und ich nach Gumtree. Helga arbeitet weiter am Budget, ich streiche das Metallgeruest fuer die Feuerstelle. Ein gehoerloser Junge aus dem Kindergarten entdeckt die Metallstreben fuer sich als Spielflaeche und steckt die anderen Kinder mit seinen Ideen an. So habe ich nette Gesellschaft und alle Beteiligten freuen sich.

Nach getaner Arbeit benoetigen wir 1 ¾ Std. fuer die Heimfahrt, kaufen an der Ecke vor unserem Haus Chomolia (aehnlich unserem Gruenkohl) und Zwiebeln, aus denen Helga wieder ein leckeres Mahl zubereitet. Um 20.30 Uhr legen wir uns muede von der Sonne und vom Unterwegs sein zufrieden schlafen.

Viele Gruesse aus Bulawayo sendet euch
Ekuthuleni Headwoman Beate Jaehrling

Bulawayo, 12. Oktober 2014


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